Wieso und weshalb?

Auf dieser Website geht es in erster Linie nicht um die konkreten Ängste, die jeder kennt und die ihren Sinn und Zweck haben können, um Menschen vor Gefahr zu bewahren. Es geht vielmehr um die Krankheit Angst. Das ist die Angst, die dich anspringt wie ein Raubtier, wenn du im Supermarkt am Regal stehst oder die sich von hinten anschleicht und dich langsam in ihren Würgegriff nimmt. Vielleicht habe ich mir ein solches Bild von der Angst auch nur selbst geschaffen, um sie zu externalisieren und somit eine Distanz zu ihr schaffen zu können, aber mir erscheint die Angst tatsächlich wie ein Wesen, das nicht zu mir gehört.

Ich litt seit etwa 2011 an einer Angststörung, die oft noch in mir nachhallt und die ich daher auch noch nicht als ganz überwunden betrachte. Ich sehe mich aber mittlerweile auf dem richtigen Weg. Im Laufe meiner „Angstkarriere“ habe ich viel gelitten, aber auch viel gelernt über mich und über das Wesen der Angst. Meine Angststörung verlief keineswegs linear. Ich habe oft neuen Mut geschöpft und manchmal sah es so aus, als könnte ich den Fängen der Angst entkommen. Dann gab es aber bislang immer wieder Rückschläge. Panikattacken sind sehr selten geworden, aber ich bin noch ein gutes Stück davon entfernt, wieder die Leichtigkeit zu empfinden, die das Leben lange vor der Angststörung einmal hatte. Zu oft falle ich in alte Denkmuster zurück und es gelingt mir nicht, strukturelle Wesensmerkmale zu ändern, die mich daran hindern, mich ganz aus dem Griff der Angst zu befreien. Hilfe von außen war und ist dabei wichtig.

Was ich mit diesem Angstblog bezwecke

Ich verspreche mir davon zum Einen, meine Angst in etwas Produktives zu verwandeln. Das mag zunächst paradox erscheinen, da Angst gerade das ist, was hemmt und was Lebensfreude und Energie raubt. Da die Angst sich aber, bildhaft gesprochen, an dem Schaden weidet, den sie anrichtet, entzieht es ihr die Grundlage, wenn ich sie bei den Hörnern packe und ihre Zerstörerische Energie in etwas Gutes verwandle. Ähnlich wie im Kampfsport nutze ich so die zerstörerische Kraft meines Gegners , um ihn selbst zu Boden zu werfen.

Was ist aber nun dieses Gute, das ich u.a. mit dieser Website erreichen möchte? Es besteht zunächst einmal darin, dass ich meine Erfahrungen teilen kann. Im Laufe der Jahre habe ich mich viel mit Angstliteratur befasst, Entspannungstechniken wie autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation oder Qi Gong gelernt, Atemübungen einstudiert, mich mit Spiritualität in Form von Zen-Meditation befasst, mit Sport angefangen und bei all dem sehr viele Erkenntnisse über mich und die Angst gewonnen. Es wäre schön, wenn anderen Betroffenen das eine oder andere hier daher helfen könnte.

Ich möchte außerdem eine Plattform schaffen, bei der die Kommunikation nicht nur in eine Richtung läuft. Jeder, der etwas beizutragen hat, sei es ein Kommentar oder ein eigener Erfahrungsbericht, sei herzlich dazu eingeladen, diesen Blog zu beleben.